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Kissinger skizziert mögliche Szenarien für Ausgang des Ukraine-Konflikts

In einem Interview mit The Spectator spekulierte Henry Kissinger über drei mögliche Szenarien zur Beendigung der Ukraine-Krise. Er betonte, dass die Frage der Kriegsziele angegangen werden müsse, bevor die Dynamik des Krieges sie politisch unkontrollierbar mache.
Kissinger skizziert mögliche Szenarien für Ausgang des Ukraine-Konflikts© Chip Somodevilla/Getty Images

Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, der vor kurzem 99 Jahre alt geworden ist, hat seine Gedanken darüber geäußert, wie der aktuelle Konflikt zwischen Russland und der Ukraine enden könnte. In einem Interview mit der Zeitschrift The Spectator sagte er:

"Es gibt drei mögliche Ausgänge dieses Krieges. Alle drei sind bis zu einem gewissen Grad noch offen."

Im ersten Szenario "bleibt Russland dort, wo es jetzt ist, wird 20 Prozent der Ukraine, den größten Teil des Donbass, das industrielle und landwirtschaftliche Hauptgebiet, sowie einen Streifen Land entlang des Schwarzen Meeres erobert haben".

Wenn dies geschehe, wäre es "ein Sieg für Moskau, der auch zeigen würde, dass die Rolle der NATO nicht so entscheidend war wie früher angenommen", so der erfahrene Politiker.

Der zweite mögliche Ausgang "ist, dass versucht wird, Russland aus dem Gebiet zu vertreiben, das es vor diesem Krieg erworben hat, einschließlich der Krim, und dann wird sich die Frage eines Krieges mit Russland selbst stellen, wenn der Krieg weitergeht", warnte Kissinger.

Das dritte Szenario sei, "dass die freie Welt Russland davon abhalten kann, militärische Eroberungen zu machen, und wenn die Kampflinie in die Position zurückkehrt, in der der Krieg begann. Dann wird die gegenwärtige Aggression sichtbar besiegt worden sein".

In diesem Fall würde die Ukraine wieder so aufgebaut, wie sie vor dem Beginn der russischen Militäroperation am 24. Februar gewesen sei, und würde von der NATO wieder aufgerüstet, wenn nicht sogar in sie eingegliedert, spekulierte der ehemalige US-Außenminister.

Die übrigen Fragen könnten verhandelt werden. Dies würde die Situation für eine Weile einfrieren, aber der Stillstand würde mit der Zeit überwunden werden.

Kissinger zufolge habe er dieses "dritte Ergebnis" bereits in einer Videoansprache vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Mai skizziert.

In der Rede, die international für Schlagzeilen sorgte, betonte er, dass Friedensverhandlungen in der Ukraine "in den nächsten zwei Monaten beginnen müssen", da sich der Konflikt sonst von "einem Krieg um die Freiheit der Ukraine, der von der NATO mit großer Geschlossenheit geführt wurde, in einen Krieg gegen Russland selbst" verwandeln könnte.

Das ideale Ergebnis dieser Gespräche wäre "eine Rückkehr zum Status quo ante", fügte der erfahrene Diplomat hinzu.

In der Ukraine sorgten Kissingers Äußerungen für Empörung. Präsident Wladimir Selenskij sagte, Kissinger sei "aus der tiefen Vergangenheit auftaucht" und erkläre, dass "ein Stück der Ukraine an Russland gegeben werden müsse", um Moskau zu beschwichtigen. Der ehemalige US-Außenminister habe vergessen, dass wir das Jahr 2022 schrieben. Kissinger scheine aber zu denken, dass er zu einem Publikum in München im Jahr 1938 spreche.

Letzteres war eine Anspielung auf das Münchner Abkommen, in dem das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien zustimmten, einen Teil der Tschechoslowakei an Nazi-Deutschland abzutreten, um einen größeren Konflikt auf dem Kontinent zu vermeiden. Der Zweite Weltkrieg begann im Jahr darauf.

Kissingers Name tauchte auch auf der berüchtigten Webseite Mirotworez ("Friedensstifter") auf, einer öffentlichen Datenbank mit Informationen über Personen, die von den Betreibern der Onlinepräsenz als "Feinde der Ukraine" geführt werden. Dort wird Kissinger als "Komplize bei den Verbrechen der russischen Behörden gegen die Ukraine und ihre Bürger" bezeichnet.

Der erfahrene Politiker erklärte The Spectator, dass "der Zweck der Erklärung von Davos darin bestand, darauf hinzuweisen, dass die Frage der Kriegsziele angegangen werden muss, bevor die Dynamik des Krieges sie politisch unbeherrschbar macht".

Was Selenskijs Kritik angeht, "so hat er in seinen jüngsten Erklärungen im Wesentlichen akzeptiert, was ich in Davos dargelegt habe", betonte Kissinger.

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